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Franz Kafka – Ein Bericht für eine Akademie

13. April 2022 um 20:00

Rotpeter wird von einer unbestimmten Akademie eingeladen, einen Bericht über sein äffisches Vorleben einzureichen. Stattdessen berichtet er über seinen unvollendeten und qualvollen, jedoch selbst gewählten Ausweg der Menschwerdung – über Anpassung, Trieb und über die unter Menschen verbreitete Sehnsucht nach dem Gefühl der Freiheit.


Szenischer Vortrag der monologhaften Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“ mit musikalischer Umrahmung. Widmen möchte ich den Abend sehr herzlich Herrn Adolfo Assor, der seit vielen Jahren im Garn Theater in Berlin Kreuzberg, seinem Monologtheater (http://www.garn-theater.de), unermüdlich auf der Bühne steht.

Begleiten werden mich

Lisa Schöttl – Hackbrett – https://lisa-schoettl.de/

Veronika Schöttl – Bratsche – https://www.ensembleeden.de/home/veronika-schoettl/

Martin Treppesch – Technik

Eintritt 22 Euro

Aktuell sind alle Karten vergriffen, Anfragen für die Warteliste bitte unter servus@martin-unterrainer.de mit Angabe Ihrer Telefonnummer, ich melde mich bei Ihnen.

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Geschrieben hat Dr. Franz Kafka Ein Bericht für eine Akademie  (und einige kurze Fragmente dazu) im April 1917 in der Alchemistengasse in Prag in einer von seiner Schwester angemieteten Wohnung. In diese Arbeitswohnung zog er sich regelmäßig zum Schreiben zurück. Der Text wurde dann in der Monatszeitschrift „Der Jude“ von Martin Buber veröffentlicht. Die Reaktion der mit Kafka befreundeten oder bekannten Autoren war enthusiastisch, wobei Kafka auf diese Reaktionen – wie so oft – sehr zurückhaltend reagierte.

Kafkas Freund und späterer Nachlassverwalter Max Brod (dem wir zu verdanken haben, dass Kafkas Werk nicht wie von ihm gewünscht nach seinem frühen Tod mit nur 40 Jahren im Jahr 1924 vernichtet wurde) bezeichnete den Bericht als „genialste Satire auf die Assimilation, die je geschrieben worden ist“. Seine Frau Elsa Brod trug den Text im Rahmen einer Lesung vor und berichtete, sie habe sich während des Vortrags buchstäblich affenmäßig gefühlt, während der Lektüre Affenschweiss ausgeströmt und diesen selbst gerochen. Der Affe, so urteilt auch sie, sei ein Meisterwerk.

Neben ersten Auslegungen des Textes zur (religiösen) Assimilation kommt es später zu interpretatorisch verschiedenartigsten Akzentverschiebungen hin zu biographischen Bezügen sowie insbesondere auch zum Thema Freiheit und zu welchem Preis der Mensch bereit ist, sie für materiellen Erfolg und Sicherheit aufzugeben. Die rote Narbe im Gesicht und sein Hinken werden Rotpeter immer an die unumkehrbar aufgegebene Freiheit erinnern, in deren Genuss er zumindest bis zum Ende seines irdischen Lebens nicht mehr gelangen wird.

Franz Kafka hat sich zur Entstehung oder zum Hintergrund des Textes Ein Bericht für eine Akademie selbst nie geäußert. Er bleibt bis heute ein tiefgründiges Rätsel. Jeder Interessierte ist eingeladen, es für sich selbst zu lösen.

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Doch dürfte ich selbst das Geringfügige, was folgt, gewiss nicht sagen, wenn ich meiner nicht völlig sicher wäre… (Rotpeter über seinen Bericht)

Gemeinsam mit Lisa und Veronika werde ich am 13.4. den Originaltext vortragen. Unabhängig von diesem Vortrag einige Impulse dazu:

Covid 19 hat uns immer noch fest im Griff. Passt sich uns an.

Wir passen uns – gezwungenermaßen – ebenfalls an und gewöhnen uns – mühevoll und langsam, aber kontinuierlich.
An Corona. An unseren neuen Lebensalltag und unsere neu entdeckten Fähigkeiten.
Wir suchen verzweifelt nach einem Ausweg – und finden ihn. Keine Frage, Freiheit ist dabei (für kurze Zeit) nicht uneingeschränkt zu haben. 

Wir haben gelernt, mit der Krise und mit uns in der Krise umzugehen. Wir wissen, was Begriffe wie Inzidenz, Impfpflicht und Infektionsgeschehen, Hospitalisierungsrate, Hilfsprogramm und Homeschooling bedeuten.  Ausserdem verstehen wir genau, wie wir uns im Lockdown zu verhalten haben und sind seit rund zwei Jahren in der Lage, unseren Klopapierbedarf sehr verlässlich einzuschätzen.

Gott sei Dank leben wir im Zeitalter des technischen Fortschritts. Die Technik ist perfektioniert an uns angepasst, lernt mit uns und wir mit ihr. Alexa kümmert sich um uns, kennt unsere Gewohnheiten und Bedürfnisse genau – hat uns in unseren smart klima- und platzangepassten Hotspot-Häusern fürsorglich immer im Blick – ist jederzeit für uns da, 24/7.

Wir schulen unsere quarantinierten Kids von zu Hause: Mathe, Deutsch, Infektionskunde, Selbsttesten, Chatregeln und wie man sich über MS Teams mit Mitschülerinnen und Mitschülern trifft.

Auch unsere Arbeitgeber haben sich digitalisiert angepasst, mit Remote Work und flexiblen Arbeitszeiten lassen sich unsere privaten Bedürfnisse spielerisch in betriebliche Abläufe integrieren und umgekehrt. Postkoitale Traurigkeit überwinden wir mit der Email danach. Wenn wir krank sind, klappen wir einfach unseren Laptop zu. Heimgehen müssen wir nicht mehr – wir sind ja eh schon dort. Magen-Darm hindert uns nicht mehr am Arbeiten, solange wir zwischen Klo, Kochen und Kids versorgen ein Tuch zur Hand haben, um uns für das nächste Teams Meeting schnell wieder frisch zu machen. Nur, dass wir den elektronischen Hintergrund wechseln und immer freundlich lächeln müssen, wenn wir während des Meetings auf der Toilette sitzen, vergessen wir noch gelegentlich. Statt Nordic Walking GoTo Meeting.

Auf die Straße gehen einige nur noch, um zu spazieren. Rufen Friede, Freiheit, Selbstbestimmung und locken Leute zum läuferisch angepassten Mitlaufen an, mit denen sie eigentlich gar nichts am Hut haben und die auch sonst eher unter sich sein wollen.

Mehr, hohe (Damen und) Herren von der Akademie, muss zur Aktualität Rotpeters nicht gesagt werden.

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Falkenturmstraße 8
80331 München
Theater 089-24209333

www.hofspielhaus.de

Details

Datum:
13. April 2022
Zeit:
20:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstaltungsort

Hofspielhaus
Falkenturmstr. 8
München,

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